Ragdolls
Geschichte
Die Rasse wurde in Riverside, Kalifornien (US) von Züchterin Ann Baker entwickelt. Eine langhaarige Katze namens Josephine produzierte mehrere Würfe typischer Katzen. Josephine war keine bestimmte Rasse. Ann Baker selbst sagte, dass die ursprünglichen Katzen der Ragdoll-Rasse "Gassenkatzen" waren. Die Rasse wird von FIFé seit 1991 anerkannt.
Die Erzählungen über die Entstehung der Rasse sind widersprüchlich, was es schwer macht, Fakten von Mythen zu trennen. Sicher ist, dass Ann Baker die Rasse in den 1960er Jahren in Riverside, Kalifornien, gezüchtet hat.
Viele wissen, dass sie die Ragdoll (light line) erschuf, doch nur wenige sind sich bewusst, dass sie auch mehrere andere Varianten entwickelte. Diese wurden unter dem Namen „Cherubim cats“ (dark line) zusammengefasst, zu denen unter anderem die „Honeybear“ und die „Miracle Ragdoll“ gehörten.
Ann Baker war eine geschickte Geschäftsfrau und ließ „Ragdoll“ als Marke registrieren. Sie beschrieb selbst, wie sie ihr System schuf, um die Zucht zu kontrollieren und ihre Definition der Rasse zu bewahren. Sie vertrat zudem ungewöhnliche Theorien über den Ursprung der Ragdoll und behauptete unter anderem, dass die Katze Gene von Waschbären oder Menschen in sich tragen könnte und ein Bindeglied zwischen Menschen und außerirdischen Wesen sei.
Sie führte strenge Regeln für Züchter ein und erhob Gebühren für jedes verkaufte Kätzchen. Wenn eine Katze starb, durfte der Besitzer ein neues Tier nur direkt aus ihrer Zucht erwerben. Diese Regeln wurden mit der Zeit unhaltbar, und mehrere Züchter lösten sich aus ihrer Kontrolle.
Diejenigen, die gingen, setzten die Zucht fort, registrierten die Katzen jedoch als Ragamuffin, um ihren Markenansprüchen zu entgehen. Ragdoll und Ragamuffin haben somit denselben Ursprung und lassen sich auf die Stammmutter Josephine und ihre Nachkommen zurückführen. Im Laufe der Zeit haben sie sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt, und die Standards unterscheiden sich heute zwischen den Rassen. Ein deutlicher Unterschied ist, dass die Ragamuffin in allen Farben und Mustern anerkannt wird, während die Ragdoll eine begrenztere Farbauswahl hat.
Am 05.05.2025 wurden die Katzen der „dark line“ offiziell als eigene Rasse in der TICA anerkannt und tragen dort den Namen Cherubim.
Die Katze Josephine – die Stammmutter der Ragdoll
Ann Bakers Nachbarin, Mrs. Pennel, besaß eine weiße Langhaarkatze namens Josephine, die zur Stammmutter der heutigen Ragdoll wurde. Diese Angaben sind verifiziert. Josephine lebte ein freies Leben und bekam mehrere Würfe pro Jahr. Ihre Kätzchen waren der Geschichte nach wild und schwer zu handhaben. Eines Tages wurde Josephine von einem Auto angefahren und lag zwei Tage lang am Straßenrand, bevor sie von Angestellten der Riverside University gefunden wurde.
Als es Josephine besser ging, wurde sie an ihre Besitzerin, Mrs. Pennel, zurückgegeben, die sie weiterhin frei herumlaufen und weitere Würfe bekommen ließ. Im Gegensatz zu den vorherigen Kätzchen waren diese nun sehr sozial und furchtlos.
Ann Baker mutmaßte, ob jemand an der Riverside University während der Behandlung an Josephines Genen „herumgepfuscht“ habe, was natürlich nicht der Fall war. Eine andere genetisch unwahrscheinliche Theorie war, dass Josephine eine Mutation in den Fortpflanzungsgene erlitten hatte, die wiederum das Temperament der Kätzchen beeinflusste. Ann überlegte auch, ob Josephine, die nach der Krankenhauspflege zahmer geworden war, ihr „neues“ Temperament einfach an ihre Nachkommen weitergegeben hatte. Vielleicht eine etwas vernünftigere Theorie als die anderen, aber ebenfalls unbestätigt.
Ann Baker züchtete auch Perserkatzen. Sie lieh sich oft einen schwarzen, perserähnlichen Kater namens Blackie aus, der ein Sohn von Josephine war. Josephine soll auch mit Blackie verpaart worden sein. Einige Quellen behaupten jedoch, Blackie sei ein brauner Burma-Kater gewesen, den Mrs. Baker eingekreuzt habe, um Inzucht zu vermeiden. Für Letzteres spricht, dass Mrs. Baker vielen Katzen dieser Linie asiatische Namen gab, wie es bei Burmas üblich ist. Mit Blackie bekam Josephine jedenfalls das Weibchen Buckwheat, eine braune Colorpoint. Es ist möglich, dass es zwei separate Kater namens Blackie gab oder die Namen verwechselt wurden. Wie es sich tatsächlich verhält, weiß man nicht genau.
Einer der oben genannten „Blackie-Kater“ soll einen Halbbruder namens Daddy Warbucks gehabt haben, an dem Ann Baker großen Gefallen fand. Er sah aus wie eine Heilige Birma mit blauen Augen, weißer Blesse, weißer Schwanzspitze und weißen Pfoten. Wer der Vater von Daddy Warbucks war, weiß niemand; er war ein Einzelkind in seinem Wurf. Das Aussehen und Temperament von Daddy Warbucks führten dazu, dass er später als „Vater des echten Ragdoll-Looks“ bezeichnet wurde. Mrs. Baker entschied, Daddy Warbucks mit Josephine zu verpaaren. Das Ergebnis war Fugianna, eine braune Mitted-Häsin. Ob es weitere Kätzchen in diesem Wurf gab, ist unbekannt, da Fugianna die einzige Erwähnte ist. Von ihr stammt die Linie ab, die später „lightside“ genannt wurde.
Buckwheat wurde mit Daddy Warbucks verpaart, woraus Kyoto (ein brauner Mitted-Kater) und Tiki (ein Chocolate-Colorpoint-Weibchen) hervorgingen. Tiki ist die Stammmutter dessen, was man als „darkside“ bezeichnet. Alle diese Katzen sind unter Ann Bakers Zuchtnamen „Raggedy Ann“ registriert.
Mrs. Baker beschloss, eine Rasse mit den Katern Blackie und Daddy Warbucks als Grundpfeiler zu erschaffen – eine Rasse, die alle Eigenschaften besitzen sollte, die ihre Mutter nach dem traumatischen Unfall zeigte. Die Katzen sollten groß, sanftmütig und Point-Katzen mit blauen Augen sein.
Mrs. Ann Baker begann daraufhin, ihre „Ragdolls“ nach folgenden Definitionen zu verkaufen:
Die Ragdoll soll eine relativ große Rasse sein.
Die Ragdoll soll weniger schmerzempfindlich als andere Katzen sein.
Der Ragdoll soll der Selbsterhaltungstrieb fehlen.
Das Fell der Ragdoll soll nicht verfilzen.
Die Ragdoll soll die Fähigkeit besitzen, sich völlig zu entspannen, wenn man sie hochhebt.
Ann Baker behielt die Zucht fest im Griff und verbot ihren Käufern, ihre Katzen zu verpaaren, sofern sie keine „Lizenz“ besaßen, also ihre Regeln strikt befolgten. 1971 gründete Ann die IRCA (International Ragdoll Cat Association), um die Kontrolle über die steigende Zahl der Züchter zu behalten. Gleichzeitig schützte sie den Namen „Ragdoll“ markenrechtlich, was bedeutete, dass sie Gebühren von „ihren“ Züchtern verlangen konnte. Ann Bakers Pläne, ihre Züchter zu Franchisenehmern zu machen, scheiterten jedoch. Die meisten hatten zu diesem Zeitpunkt die Zusammenarbeit mit ihr satt. Dies ist sicherlich der Grund, warum viele ihre Zuchtkatzen an die Familie Dayton verkauften, deren Zucht ebenfalls von großer Bedeutung für die Zukunft der Rasse sein sollte.
Im Jahr 1969 kauften Laura und Denny Dayton zwei Katzen, Rosie und Buddy, aus Ann Bakers Cattery „Raggedy Ann“. Sie gründeten ihre eigene Zucht unter dem Namen „Blossom Time“, in die bis zu achtzehn der ursprünglichen Raggedy-Ann-Katzen einflossen. Der Zuchtname „Blossom Time“ ist heute noch in fast allen Ragdoll-Stammbäumen zu finden.
Die Familie Dayton arbeitete zunächst mit Mrs. Baker zusammen, um die Rasse in weiteren Verbänden anerkennen zu lassen, während sie sich bezüglich der Zucht an ihre Verträge hielten. 1975 hatten jedoch viele Züchter genug von Mrs. Bakers Ansichten, und Denny Dayton rief zu einem Treffen zusammen. Auch Ann Baker war eingeladen, nahm aber nicht teil, da sie das Treffen als Aufstand betrachtete. Dies führte zur Gründung eines neuen Clubs: The Ragdoll Society, der 1978 zum Ragdoll Fanciers Club (RFC) wurde.
Der RFC sammelte die notwendigen Informationen, um den Stammbaum zu dokumentieren und so die Anerkennung der Rasse durch die großen Katzenverbände zu erwirken.
Die Ragdoll kam etwa zur gleichen Zeit, nämlich 1981, nach England und Deutschland. Die Neugier auf die neue Rasse mit dem spannenden Namen und den eigenartigen Geschichten war groß. Die Ragdoll wurde in vielen Medien präsentiert, und immer mehr Menschen interessierten sich für sie. Doch der Erfolg hatte seine Kehrseite. Viele Katzenverbände weigerten sich lange Zeit, eine Rasse anzuerkennen, die angeblich keinen Schmerz empfinden konnte, keine Angst kannte oder sich nicht wehrte. Glücklicherweise wurden viele dieser Missverständnisse ausgeräumt, weshalb die Ragdoll heute eine der am schnellsten wachsenden Rassen in der Geschichte der Katzenzucht ist.
Quelle: https://ragdollklubben.se
Aussehen
Die Ragdoll ist eine der größten Katzenrassen. Ihre Köpfe sind breit mit einer flachen Oberseite und einem weiten Raum zwischen den Ohren. Sie haben lange, muskulöse Körper mit breiter Brust. Ihre Schwänze sind buschig und lang, ihre Pfoten sind groß, rund und mit Fellbüscheln besetzt. Ihr halblanges Fell fühlt sich an wie kalte Seide.
Erläuterung der Farbvariationen: https://www.catster.com/lifestyle/ragdoll-cat-colors-and-patterns/
Charakter
Das sagt der Schwedische Ragdollklubben über die Rasse:
Die Ragdoll ist vom Wesen her neugierig und menschenbezogen. Sie möchte überall dort sein, wo etwas passiert, um nichts zu verpassen, und begrüßt oft Besucher direkt an der Tür. Vor allem hilft sie gerne mit, wenn das „Frauchen“ oder „Herrchen“ im Haus herumwirbelt. Im Allgemeinen ist eine Ragdoll keine ausgeprägte „Schoßkatze“; meistens liegt und kuschelt sie am liebsten einfach in der Nähe ihrer Menschen. In der Regel ist sie sehr unkompliziert und anpassungsfähig, was die Pflege (Bürsten, Baden) sehr erleichtert.
Die Ragdoll bewegt sich nicht mehr als nötig, ist aber dennoch keine reine „Deko-Katze“. Die meisten Ragdolls spielen und toben genauso gerne wie andere Katzen, allerdings verlaufen die Spiele meist etwas ruhiger. Sie springt selten extrem hoch, liebt es aber wie alle Katzen, von oben herab alles im Blick zu haben. Oft hilft es ihr, wenn sie höhere Plätze stufenweise, zum Beispiel über einen Kratzbaum mit Zwischenebenen, erreichen kann.
Die Ragdoll ist die perfekte Familienkatze. Sie ist ruhig, liebevoll und passt sich leicht an ihre neue Familie und auch an andere Tiere an. Zudem ist sie eine ausgezeichnete Wohnungskatze. Da kleine Kinder Tiere manchmal etwas unsanft behandeln können, dauert es bei einer Ragdoll meist sehr lange, bis sie deutlich „Stopp“ sagt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Katze keinen Schmerz empfindet, wie manche Gerüchte fälschlicherweise behaupten. Hier liegt es in der Verantwortung der Erwachsenen, ein Auge auf die Kinder beim Spielen zu haben.
Charakteristische Bewegungen
Was die Ragdoll von anderen Rassen unterscheidet, ist, dass sie normalerweise alle Muskeln entspannt und so schlaff wie eine Stoffpuppe („Trasdocka“) wird, wenn man sie hochhebt. Daher hat sie ihren Namen!
Eine Ragdoll läuft nicht so „leichtfüßig“ wie andere Katzen. Stattdessen hat sie einen wiegenden Gang und geht oft etwas breitbeinig mit den Hinterbeinen. Ein weiteres Merkmal ist die Art, wie sie sich hinlegt: Zuerst wird die Schulter abgesetzt, dann folgt der restliche Körper. Eine Ragdoll schläft oft auf dem Rücken, wobei sie alle Viere weit von sich streckt.
Jungtiere haben oft ein kleines „Bäuchlein“ (Fettpolster), das jedoch meist verschwindet, wenn die Katze geschlechtsreif wird. Insgesamt ist die Rasse sehr schön, geduldig, sozial und gemütlich, fordert aber viel Liebe und Aufmerksamkeit von ihren Familienmitgliedern ein. Wie bei allen Katzen hat natürlich jede Ragdoll ihre eigene Persönlichkeit.
Gesundheit
Die Ragdoll gilt allgemein als robuste und langlebige Rasse. Da sie jedoch eine gezielt gezüchtete Rasse ist, gibt es einige genetische Veranlagungen, die verantwortungsvolle Züchter durch Vorsorgeuntersuchungen im Griff behalten.
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)
Dies ist die häufigste Herzerkrankung bei Katzen, auch bei Ragdolls. Dabei verdickt sich der Herzmuskel, was zu Herzrhythmusstörungen oder Herzversagen führen kann. Die genetische Lösung: Es gibt einen spezifischen DNA-Test für Ragdolls. Ein seriöser Züchter lässt seine Zuchttiere auf die HCM-Genmutation testen.
Die klinische Lösung: Da nicht alle Formen von HCM durch den Gentest abgedeckt werden, lassen gute Züchter ihre Tiere zusätzlich regelmäßig per Herzultraschall (Farbdoppler) untersuchen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Polyzystische Nierenerkrankung (PKD)
Hierbei bilden sich Zysten in den Nieren, die das Gewebe mit der Zeit verdrängen und zu Nierenversagen führen können. Auch hierfür gibt es einen DNA-Test. Da die Vererbung autosomal-dominant ist, reicht es theoretisch, wenn ein Elternteil betroffen ist, um es weiterzugeben. Züchter schließen betroffene Tiere konsequent aus der Zucht aus. Ein Ultraschall der Nieren kann zusätzliche Sicherheit geben.
FIP
Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Linien bei reinrassigen Katzen eine höhere Anfälligkeit für das Coronavirus haben, das zu FIP mutieren kann. Hier hilft kein Gentest, sondern ein gutes Bestandsmanagement. Ein seriöser Züchter achtet auf geringen Infektionsdruck (nicht zu viele Katzen auf engem Raum) und ein starkes Immunsystem der Kitten.
FIP wird nicht direkt von Katze zu Katze übertragen. Die Ursache ist das harmlose Feline Coronavirus (FCoV), das fast jede Katze (besonders in Zuchten oder Tierheimen) irgendwann einmal in sich trägt. Normalerweise verursacht es nur leichten Durchfall.
Das Problem: Bei einem kleinen Prozentsatz der infizierten Katzen mutiert das Virus im Körper der Katze. Erst diese Mutation führt zur FIP.
FIP ist nicht ansteckend (nur das harmlose Coronavirus ist es).
Die Mutation passiert oft durch Stress, ein schwaches Immunsystem oder genetische Veranlagung.
Hygiene: Saubere Katzentoiletten (Trennung von Kot und Futterplatz), da das Virus über den Kot übertragen wird.
Stressreduktion: Keine Überbelegung, kein häufiger Wechsel der Katzengruppen.
Selektion: Katzen, deren Nachkommen gehäuft an FIP erkranken, sollten aus der Zucht genommen werden (Verdacht auf genetische Anfälligkeit).
FeLV
FeLV ist ein Retrovirus, das das Immunsystem der Katze schwächt und die Bildung von Tumoren (Lymphomen) sowie schwere Blutarmut (Anämie) fördern kann. Es wird oft als „Sollbruchstelle“ des Immunsystems bezeichnet.
Der Test (Leukose-Test): Bevor eine Katze in die Zucht geht, wird sie per Bluttest (ELISA oder PCR) getestet. Nur FeLV-negative Tiere dürfen verpaart werden.
Die Impfung: Es gibt eine wirksame Impfung gegen FeLV. Diese ist besonders wichtig für Freigänger. Für reine Wohnungskatzen (was Ragdolls meist sind) wird sie oft nicht standardmäßig empfohlen, sofern die Gruppe „geschlossen“ ist und alle Tiere negativ getestet wurden.
Wenn du dir eine Ragdoll aussuchst, ist das Risiko bei einem seriösen Züchter minimal. Du solltest aber auf folgendes achten.
Zusammenführung: Wenn du bereits eine Katze hast, sollten beide (die neue Ragdoll und deine alte Katze) getestet sein, bevor sie sich zum ersten Mal gegenseitig putzen.
FeLV vs. FIV (Katzenaids)
Oft werden diese beiden verwechselt. Der Hauptunterschied: FeLV überträgt sich sehr leicht durch freundlichen Kontakt (Putzen), während FIV („Katzenaids“) fast nur durch blutige Kämpfe (Bisse) übertragen wird.
Bitte informieren Sie sich vor der Anschaffung Ihrer Ragdoll auch bei Ihrem Tierarzt.